Skepsiswerke

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Jugendbücher – von großer Kraft & großer Verantwortung

Sonntag, 15. April 2018
Wenn ich auf goodreads durch die Reviews & Status-Updates meiner Freunde (und Freundes Freunde) scrolle, stolpere ich mal nach kürzerem, mal nach längerem Scrollen, aber unweigerlich über die Aussage: „Eigentlich lese ich ja kein New Adult mehr, aber der Hype um dieses Buch hat mich meine Vorsicht einmal mehr über Bord werfen lassen.“ Und meistens folgt dann eine Rezension, die deutlich macht, dass all die Dinge, die der*die besagte Rezipient*in eh schon an dem Genre hasst, auch hier wieder Einzug gehalten haben.

Was … ich verstehen kann. Und schade finde.

Aber nicht, weil ich das New Adult Genre verteidigen möchte. Oder prinzipiell davon abrate, es zu lesen.

Ich finde bloß, dass wir einer wichtigen Debatte ihre Tiefe nehmen, wenn wir uns auf die Probleme von Subgenres konzentrieren, die ursprünglich nur Zielgruppenbezeichnungen waren und darin nicht mehr als Altersempfehlungen, ähnlich denen, die wir von Filmen kennen.

Wieso ein Jugendbuch?


Es gibt eine ganze Reihe völlig legitimer Gründe, sich den Lebensalltag von Teenagern anzugucken, die - dem amerikanischen Vorbild folgend – noch in der High School stecken oder gerade aufs College kommen, und diesen anschließend literarisch zu verarbeiten. Diese Phasen sind in der menschlichen Entwicklung essentiell. Wir finden heraus, wer wir sind, wer wir sein wollen, wie die Welt funktioniert und das Zusammenleben mit anderen. Wir sehen uns einer Desillusionierung nach der anderen gegenüber, erfahren (häufig) erstmals von der dunkleren Seite des Lebens, die die wehtut und Angst macht und im Angesicht ihrer Ausweglosigkeit lähmt. Und anstatt an der zunehmenden Unsicherheit zu zerbrechen, anstatt von ihr eingeschüchtert zu sein, wird von uns erwartet, am Ende als mündige*r Bürger*innen auf eigenen Beinen stehen zu dürfen.

Das ist eine verdammt große Aufgabe. Und es ist verdammt hilfreich, wenn sich jemand an unsere Seite stellt, während wir das schaffen sollen. Das sind idealer Weise unsere Freunde, unsere Familie, unsere Lehrer*innen. Aber es sind auch immer wieder die fiktionalen Charaktere, denen wir begegnen – und fiktionalen Charakteren in entsprechenden Alter begegnen wir in Jugendbüchern.

Völlig egal, ob sie der Phantastik, der Sci-Fi oder den realistischen Werken entspringen.

Harry Potter ist das Phänomen geworden, das es ist, weil wir mit den Charakteren groß geworden sind, weil die Themen der Charaktere zeitgleich unsere Themen waren: Freundschaft, Zugehörigkeit, erste Liebe, Neid, Vorurteile, unsere Sterblichkeit, Mut, das Gefühl, auf sich selbst gestellt zu sein, weil die Autoritäten versagen, …

Das sind unsere Themen.

 Die Dystopien-Diät


Wie sehr es unsere Themen sind, zeigt sich derzeit zum Beispiel in Amerika. Derzeit mobilisieren sich in Amerika sehr viele Jugendliche, um nach einem weiteren Amoklauf gegen amerikanischen Waffengesetze zu demonstrieren. Hier könnt ihr nachlesen, was Laura dazu für Skepsiswerke bereitsgeschrieben hat. In jedem Fall muss man den Schüler*innen, die dort ihre Zukunft nicht nur in die Hand nehmen, sondern auch in ein Mikrofon brüllen, um nicht übersehen zu werfen, dafür bewundern, dass sie in den Nachwirkung einer solchen Traumas so füreinander aufstehen und zur Stelle sind, wenn die Erwachsenen und besonders die Politiker es mal wieder nicht sind. So entsetzlich die Umstände auch sind, gegen diese Kinder demonstrieren müssen, es gibt Hoffnung für die Zukunft, weil wir hier gerade vor Augen geführt bekommen haben, dass wir einer Generation angehören, der die Welt nicht egal ist.

Woran das liegt?

Jennifer Ansbach (@JenAnsbach) twitterte am 18. Februar Folgendes:



Und ist es nicht so?

Sind das nicht die Kinder, die von einer Katniss Everdeen gelesen haben? Sind das nicht die Kinder, die von Tris & Four gelesen haben? Sind das nicht die Kinder, die von Cinder gelesen haben, von Scarlet, Cress & Winter? Die als Eingeweihte ebenfalls zur Illuminae Group gehören? Haben sie nicht neben Harry auch Dumbledore’s Armee begleitet? Wissen sie nicht, dass jenseits von den Auserwählten auch die Massen einen Unterschied machen, die Massen, die Nein sagen, auch wenn es gefährlich ist, auch wenn es Gegenwind gibt?

Sicher – in Amerika kommen derzeit viele, viele, viele Faktoren zusammen, die den Boden für solche Bewegungen fruchtbar machen. Mit Trump als Präsidenten hat der Widerstand in Form von Aktivismus nicht nur Aufschwung, sondern Notwendigkeit erhalten. Es ist bei Weitem nicht der erste Amoklauf gewesen, nicht das erste Mal, dass ein Beharren auf dem second amendment Leben fordert, und Amerika sich zwar ein paar prayer & thoughts abringt, aber keine Taten ergreift. Und die March For Our Lives Bewegung hat sehr starke (sehr junge) Menschen, die es schnell geschafft haben, weltweite Aufmerksamkeit zu generieren.

 Wir als Produkt unserer Bücherregale


Aber es ist doch nicht von der Hand zu weisen, wie sehr uns Bücher prägen, die wir in Zeiten lesen, in denen wir selbst auf der Suche nach Antworten sind. Ein sehr aktuelles Beispiel dafür, wie sich solche Bücher auf uns auswirken können, könnt ihr in meiner letzten Rezension zu Es war einmal Aleppo nachlesen.

Ein anderes Beispiel wäre die Bis(s)-Reihe und wie sehr sie die Einstellung zu akzeptablen, romantischem Verhalten geprägt hat. Edward, der sich ohne Bellas Wissen in ihr Zimmer schleicht & sie nachts beobachtet? Jacob, der Bella droht, sich im anstehenden Kampf umbringen zu lassen, es sei denn, sie gibt ihm einen guten Grund, es nicht zu tun (= gesteht ihm ihre Liebe, küsst ihn). Wow. Kein Wunder, dass ich mich in einen Jungen verliebt habe, der mich mehr als einmal darum hat bitten lassen, er möge sich nicht umbringen.

Tatsächlich wird es an dem Jugendbuch, das ich derzeit lese, noch deutlicher. „Herz im Gepäck“ von Brigitte Blobel war, als ich vierzehn oder fünfzehn war, eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Eine Liebesgeschichte, aber mit Schmackes. Mit Tiefgang. Ich hab’s irgendwem geliehen und hab es nie zurückbekommen. Durchs Stöbern in deutschen Jugendbuchlisten bin ich vor eine guten Woche über den Namen der Autorin gestolpert und eine kurze Googlesuche später auch auf das Buch selbst gestoßen. Ein paar Tage später hielt ich es in den Händen, bereit in den Reread zu schliddern.

Und jenseits der Dinge, die mir auffallen, weil ich sie heute nicht mehr unkommentiert lassen kann – ableistische und lookistische Äußerungen, Ansätze von slutshaming – ist es, als würde ich in eine Zeitmaschine steigen und mir durch einen abgefahrenen Spiegel die Kira angucken, die sich zum Einen von diesem Buch zu etlichen Stories hat inspirieren lassen, die diesem Buch aber zum Anderen vor allem auch geglaubt hat.

Ich habe ihm geglaubt, dass Menschen attraktiv sind, die sich Gedanken um die Welt machen, die wütend sind, wenn sie sich die Welt angucken, und manchmal traurig, und die finden, dass man in ihr etwas bewegen muss. Menschen, die diese Emotionen ausdrücken.

Ich habe ihm geglaubt, dass es unfair ist, auf Menschen herabzublicken, die anders sind als du – auf eine andere Schule gehen, einen anderen sozialen Hintergrund haben, die weniger Privilegien haben als du.

Ich habe ihm geglaubt, dass man sich lossagen muss, von denjenigen, die in solchen Denkmustern verweilen wollen. Selbst dann, wenn sie vor dem Gesetz noch das Recht haben, über dich zu bestimmen.

Und ich könnte euch die genauen Punkte meiner Biographie aufzeigen, an denen diese Überzeugungen gegriffen haben. Nicht, weil ich so sein wollte wie Julie. So bewusst ist mir das nie gewesen. Aber rückblickend ist es nicht zu leugnen. Meine erste große Liebe ist die logische Schlussfolgerung dieser Lektüre.

Was einmal mehr zeigt, dass Jugendbücher eine verdammt große Wirkung haben.

Nicht nur auf mich.

Ein gutes Jugendbuch


Auf Twitter habe ich danach gefragt, welche Jugendbücher am besten gefallen haben und wieso. Genannt wurden aktuelle realistische Titel wie »Simon vs. The Homo Sapiens Agenda« , »The Upside of Unrequited«, »The Fault in Our Stars«, »Looking for Alaska«, »The Perks of being a wallflower«, aber auch aktuelle Titel aus dem Bereich des Phantastischen: »The Gentleman’s Guide to Vice & Virtue«, »Six of Crows«, »The Rebel of the Sands« und »State of Sorrow«. Und Klassiker! Ronja Räubertochter, die Unendliche Geschichte. Der Fänger im Roggen. (Und erstaunlicher Weise kein einziges Mal Harry Potter!)

Unterschiedlichste Geschichten, die den Sprung auf das Jugendbuch-Podest allesamt wegen mehr oder weniger derselben Erklärung geschafft haben:

„weil [es] zeigt, dass es ein Leben nach dem Überleben gibt“ – „weil [es] mich gelehrt hat, dass Heldinnen auch mal egoistisch sein dürfen“ – „[es] stellt so wichtige Fragen, damit der Leser nicht nur seine Ansichten, sondern auch sich hinterfragt“ – „[es] hat mir gezeigt, dass man sich nicht von seinen Vorurteilen beherrschen lassen muss“ – „weil ich mich mit seiner existenziellen Angst so gut identifizieren kann“ – „eine zart angedeutete Liebesgeschichte, aber noch viel wichtigere Freundschafts- und Familienbeziehungen“ – „weil sie authentisch wirken und wichtige Themen aufgreifen“

Kurz gesagt: authentische Charaktere & wichtige Aussagen. Und damit ist das Jugendbuch gerade für Belange der richtigen, respektvollen Repräsentation, einer Sensibilisierung für Privilegien, einen Erstkontakt mit Lebensentwürfen, die mit unserem nichts zu tun haben, so ein wichtiges Medium. Hier begegnen Leser*innen erstmalig und von da an immer wieder den großen Fragen ihres Lebens, den wichtigen Fragen der Menschheit, seien diese individueller, politischer oder existenzieller Manier.

 Eine große Kraft. Aus der große Verantwortung folgt.


Es geht nicht um Antworten. Ein Jugendbuch muss keine Doktrin sein. Aber es sollte zeigen, wie man an Antworten herankommt, wo sie sich verbergen könnten, was man tun, wenn man sie nicht sofort findet, wenn man vielleicht überhaupt keine Hoffnung hat, sie jemals zu finden. Es muss seinen Leser*innen dabei helfen, ihr Leben besser bewältigen zu können. Wie es das macht, ob es ermutigt oder Augen öffnet oder hoffnungsvoll stimmt oder mit der Welt versöhnt oder mit Autoritäten bricht oder, oder, oder, ist zweitrangig, solang es nur diese Aufgabe ernstnimmt.

Und auf diese Weise sollten auch wir das Genre ernstnehmen.

Das Problem am New Adult Roman ist nicht das College Setting. Es ist auch nicht das Sixpack des Love Interests. Oder die schwierige Vergangenheit der Protagonistin.

Probleme bestehen, wo der Love Interest immer weiß, immer able-bodied, immer cissexuell, immer hetero ist. Probleme bestehen, wo die Begegnung mit dem Love Interest die traumatische Vergangenheit auf beinahe magische Weise überwinden.

Probleme bestehen, wo die Bücher zu kurz treten. Wo sie ihre Aufgaben nicht ernstnehmen. Wo sie ihre Charaktere vernachlässigen und Lesern damit Chancen nehmen, Repräsentation zu finden. Wo sie ihre Leser*innen für blöd verkaufen, weil sie komplexe Themen aufmachen, sie aber in ihrer Komplexität nie stehen lassen. Wo sie gefährliche Stereotype und schädliche Narrative reproduzieren anstatt Weltbilder und damit Geister zu öffnen.

Weil Bücher, und Jugendbücher mehr als viele andere Genres, eine Verantwortung haben. Eine Verantwortung für ihre Leserschaft.

Und genau dort sollte unsere Kritik ansetzen. Dort sollten wir einhaken, wenn wir loben oder verteufeln. Dort sollte diese Debatte Fuß fassen, wachsen und in konstruktiver Kritik erblühen.
Damit die Schüler und Schülerinnen Amerikas nicht alleine stehen müssen. Damit überall Menschen aufstehen. Menschen, mit denen sich in den nächsten Jahren und nächsten Jahrzehnten eine Welt nicht nur gestalten, sondern retten lässt. Denn das wird unsere Aufgabe sein, ob wir es einsehen wollen oder nicht.

Und wenn Jugendbücher unsere Schulen, Protagonisten unsere Mentoren und Fandoms die Nester, in denen unsere Reformen, Revolutionen und Rebellionen erwachsen, dann sollte jeder von uns wissen, was er zu tun hat.

In diesem Sinne: an die Bücher, fertig, los.
Eure Kira ♥

Unser einziger Planet

Sonntag, 8. April 2018

Letzten Monat, am 22. März, war der Weltwassertag. Ich hab bereits eine lange Tweet-Reihe dazu verfasst, aber Tweets gehen unter, während Blogbeiträge bestehen bleiben. Und die Ozeane, die unsere Kontinente umspülen, sollten nicht untergehen. Und erst recht nicht, was mit ihnen passiert. Ich war auf einem Vortrag des Umweltaktivisten und Start-Up-Unternehmers Christoph Schulz (Wenn ihr seinen Namen klickt, landet ihr bei CareElite, wo er über Plastikmüll aufklärt, Firmen empfiehlt und informiert, wie plastikfrei gelebt werden kann). Was ich hier geschrieben habe, hab ich daraus erfahren und mich zunehmend noch informiert. Unsere Gesellschaft muss hat hier noch Einziges zu tun.

Das Plastikproblem

Die Welt hat ein Plastikproblem. Plastik ist günstig in der Verarbeitung (Kleidung aus Polyacryl, Polyester, etc ist zum Beispiel auch deutlich günstiger) und in Unmengen produzierbar, kostet weniger Arbeitskräfte (statt zum Beispiel Baumwolle, die gepflückt werden muss) und ist generell eine einfache Lösung für alles. Die Zahnpasta hat nicht die richtige Konsistenz? Knallen wir ein bisschen Mikroplastik rein, um das zu strecken, dann passt das schon.

Aber Plastik zersetzt sich nicht. Es stapelt sich. Die Müllberge steigen. Die Plastikberge werden größer. Und immer noch werden Unmengen Plastikmüll auf verschiedenen Wegen in die Ozeane geleitet.
Bereits jetzt sind 120 Tonnen(!) Plastikmüll in den Ozeanen der Welt. 15% davon sind an der Wasseroberfläche und 15% landen an Stränden von zum Beispiel in Bali, in Sri Lanka, Indien und wie sie nicht alle heißen. In Ländern wie Bali wird Plastik bisher nicht mal wieder verwendet, wie wir das beispielsweise von Pfandflaschen kennen – Nachdem eine Flasche leer ist, verliert sie ihren Wert. Und wird weggeworfen. Oftmals sogar mitten auf die Straße. Oder Leute sammeln ihren Müll und kippen alles an die Strände, weil nur zweimal oder dreimal die Woche ein Bagger kommt, der die Müllsäcke/den Müll generell von den Straßen holt.

In Deutschland ist das anders. Wir haben Aufklärung. Uns ist klar, dass Plastik ewig braucht, um sich zu zersetzen und schmeißen es sonst wohin, als ob dieser Planet nicht unser Einziger wäre, sondern als ob wir noch zehn andere in der Hinterhand hätten. Wir fangen an zu recyclen, sind aber erst bei 40%. Was passiert mit den anderen 60%?

Jeder Deutsche produziert im Jahr 37 Kilogramm Plastikmüll im Durchschnitt. Wiegt doch mal das Plastik, in dem eure Wurst/Käse/etc eingeschlagen ist. Rechnet dann mal hoch, wie viele Verpackungen ihr bräuchtet, um bei 37 Kilogramm anzukommen. Und das jährlich. Pro Mensch in Deutschland (und es gibt Länder wie die USA, China, in denen nicht nur die Bevölkerungsanzahl höher ist, sondern der Plastikverbrauch noch immenser). Ihr schmeißt leere Verpackungen wahrscheinlich weg, aber von euren 37 Kilogramm werden nur 40% recycled. Der Rest muss weggeschafft werden, auf Müllberge, Inseln und … Auch in Ozeanen.

Was bedeutet das?
Großes Tieresterben. Es gibt verschiedene Horrorszenarien – Wir erinnern uns alle an das Foto des Albatross, dessen Magen voll mit Plastikmüll war: Becher, Feuerzeuge, Plastiktüten. Alles gefressen, weil er es entweder beim Jagen von Beute versehentlich mitverschluckt hat (15% Plastik sind ja an der Wasseroberfläche) oder weil er es für Nahrung gehalten hat.
Kleine Babyschildkröten verheddern sich in Sixpackringen, die sie am Anfang nicht sonderlich stören. Aber wenn sie irgendwann groß werden, wird der Ring zu klein und wird sie ersticken, weil sie sich aus diesem anschließend nicht mehr befreien können. Sie fressen Plastiktüten (wir kennen doch diese weißen Plastiktüten, die uns zum Beispiel in Supermärkte mitgegeben werden), weil sie im Wasser ähnlich aussehen wie Quallen. Aber es ist keine Qualle. Da steckt dann eine Plastiktüte im Tierkörper und wisst ihr, wie lange eine Plastiktüte braucht, um sich zu zersetzen? 20-50 Jahre. Vorher blockiert und zerstört sie das Innere der Schildkröte, die eine Qualle fressen wollte.

Ich muss nicht fortsetzen. 2050, so die Prognose, wird es mehr Plastik im Wasser geben als Fische. Wir werden das Plastik, das wir hineingeworfen haben, wieder zu uns nehmen, wenn wir Fisch essen. Wir nehmen wahrscheinlich bereits Plastik zu uns – Mikroplastik.
Mikroplastik befindet sich beispielsweise in Waschmittel, Kleidung, Zahnpasta und Kosmetika. Auch in Waschgelen, die wir benutzen. A) Können Kläranlagen diese winzigen Teilchen nicht filtern und B) verschmutzen sie auch unsere Ozeane.

In den Ozeanen bilden sich inzwischen sogenannte „Garbage“-Strudel. Sie befinden sich in der Nähe des Äquators, weil da die Meereströme aufeinander trefffen. Es gibt fünf sehr große Strudel. Beispielsweise wird der Nordpazifische Müllstrudel auf eine Größe von circa 700.000 bis sogar 15.000.000 Quadratmetern geschätzt. Im Inneren ist tonnenweise Plastikmüll, der sich die ganze Zeit dreht.

Was ist das für Müll, der im Meer landet?
Wir leben in einer Einweggsellschaft. Wir lieben Dinge, die wir einmal benutzen und dann wegwerfen können, also sind nicht nur Pfandflaschen das Problem. Windeln für Kinder (die zu 70-80% aus Plastik bestehen), Einwegrasierer, Shampooflaschen, Joghurtbecher, Verpackungen von Süßigkeiten, Verpackungen von Wurst und Käse, Getränkebecher (Becher von McDonalds zum Beispiel), Q-Tipps, die Liste ist unendlich lang.


Photo by Jeremy Bishop on Unsplash

Was können wir tun?
Viele leben mit dem Eindruck, dass man als Einzelner nichts tun kann. Was nicht wahr ist! Natürlich können wir alleine nicht den Planeten retten und den Müll, den wir vermeiden, wird nicht den Ozean von Plastik befreien. Aber wenn jeder von uns bewusster lebt und sich vor Augen führt, wo er Plastik benutzt und wo er es vermeiden kann, ist schon viel geholfen. Hier ein paar Möglichkeiten, was sich im Alltag integrieren lässt:

Edelstahlflaschen statt Pfandflaschen
Trinkt Wasser aus dem Hahn aus eurer Edelstahlflasche. Wasser aus dem Hahn ist gefühlt 100% günstiger als beispielsweise Wasser von Volvic zu kaufen. Ihr könnt eure Edelstahlflasche immer wieder auffüllen, sie ist leicht, es gibt sie in super vielen, verschiedenen Farben und ihr spart euch die Zeit und Mühe, die Flaschen zu sammeln und wieder wegzubringen. Das Einkaufsverhalten der Menschen beeinflusst den Markt. Wenn weniger Flaschen gekauft werden, werden auch weniger produziert, also tut ihr auch gleich etwas für die Umwelt.

Trage einen Thermobecher oder Boxen mit dir herum
Thermobecher sind toll, wenn du dir unterwegs einen Tee kaufen willst oder einen Kaffee. In den meisten Shops sind Becher aus Plastik oder zumindest zum großen Teil. Du sparst dir das Wegschmeißen und dein Getränk bleibt auch länger heiß.
In die Boxen kannst du dir zum Beispiel Essen füllen lassen, wenn es dich unterwegs packt. Das klappt nicht immer, aber einen Versuch ist es wert, besonders auch wenn du beim Einkaufen bist und Wurst/Käse kaufen an die Theke gehst. Auch beim Bäcker kannst du versuchen, dir ein eigenes Netz mitzunehmen, in das die Brötchen dann geworfen werden.

Gehe auf dem Wochenmarkt oder in Unverpackt-Läden einkaufen
Hier kannst du dir dein Essen in Boxen/Netze/etc einfüllen lassen. Falls du keine Zeit dafür hast, es sowas bei dir in der Nähe nicht gibt, ist es einfach hilfreich, die Augen offen zu halten, wo du Plastik sparen kannst (zum Beispiel Tiefgekühltes von Frosta kaufen! Die verpacken nur einmal und zwar in Pappe). Oder kauft keine „Bio“gurke, die in Plastik eingeschlagen ist

Verzichte
Wenn du unterwegs Hunger kriegst und gerade nichts dabei hast: Frag dich doch, ob du nicht zu Hause auch essen kannst. Oder in eine Restaurant in der Nähe, wo du einen Teller kriegst. Auf der Veranstaltung, auf der ich war, sagte eine Frau so passend: „Früher musste auch nicht immer und überall gegessen werden!“

Checkt, welche Produkte, die ihr nutzt, Mikroplastik enthalten
Es gibt die App „CodeCheck“. Damit könnt ihr Barcodes scannen und seht, wo Mikroplastik drin ist. Zum Beispiel auch in Cremes. Ehrlich: Wollen wir uns das auch noch ins Gesicht schmieren? Plastik? Soll das unser Haut gut tun?

Versuch dich an DIY
Seifen, Duschgele und andere Hygieneprodukte lassen sich selbst herstellen. Ihr könnt eigene, wiederverwendbare Packungen nehmen und ihr wisst, was drinnen ist. Wie cool ist das bitte?

Kauft Naturfasern
Baumwollkleidung ist teurer, das weiß ich. Aber immer, wenn ihr euren Polyester-Pullover oder Polyacryl-Schal wascht, fliegen Plastikfasern ins Wasser, die sich nicht filtern lassen. Baumwolle hält aber für gewöhnlich länger, ist qualitativ hochwertiger und dementsprechend auch ein längerer Freund von euch.
Natürlich gibt es auch Teile, die sind einfach aus anderen Materialien, die nicht Naturfasern sind. Die könnt ihr in Wäschesäcke stecken, wo die Fasern aufgefangen werden, dann tut ihr zumindest auch was dafür.

Tragt einen Beutel mit euch herum
Plastiktüten sind zumindest keine Selbstverständlichkeit mehr, zumindest in Deutschland. Aber ihr könnt euch auch die Papptüte sparen, indem ihr einfach selber einen Beutel mit euch herumtragt und so immer alles tragen könnt, das ihr unterwegs einkauft.

Habt ihr noch mehr Hinweise? Schreibt sie in die Kommentare, dann werde ich die Liste ergänzen!

Natürlich ist es schwierig, alles davon umzusetzen. Nichts davon geht von heute auf morgen, besonders, weil Plastik hier einfach Alltag ist, auch noch für mich. Schritt für Schritt lassen sich Dinge umsetzen, beispielsweise hab ich – seit ich den Vortrag von Christoph Schulz gehört hab – aufgehört, Wasser aus Plastikflaschen zu trinken, sondern trinke Wasser aus dem Hahn aus einer Edelstahlflasche. Das Auffüllen nervt etwas, weil nur ein Liter reingeht, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran. Ich trage auch immer einen Thermobecher und einen Beutel mit mir herum, ich verzichte immer öfter auf Essen unterwegs und achte auf meine Kleidung. Perfekt macht mich das nicht, aber jeden Tag ein bisschen mehr und das wird. Niemand verlangt von euch, dass ihr zum Beispiel keinen Computer mehr benutzt, weil die Tastatur aus Plastik ist. Nur mit der Einweg-Politik muss Schluss sein!

Wir haben nur diesen einen Planeten! 
So sollten wir ihn auch behandeln.

• Alles, alles Liebe
Laura


Es war einmal Aleppo - Jennifer Benkau

Sonntag, 1. April 2018

Es ist wie ein Schlag ins Gesicht. Antonia kommt mit ihrer Familie aus dem Urlaub, und plötzlich leben mehrere hundert Flüchtlinge nebenan. Klar – irgendwo müssen sie unterkommen. Aber ausgerechnet hier? Doch dann trifft Toni auf Shirvan. Und mit jeder skeptischen Frage, die sie ihm stellt, wird die Sache verzwickter.

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Buch: Es war einmal Aleppo
Autorin: Jennifer Benkau
Verlag: Selbstverlag / InkRebels
499 Seiten
Verfügbar als Ebook oder Taschenbuch
Ebook: 3, 99€
Taschenbuch: 14,90€
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In dem Brief, den ich Jennifer Benkau geschrieben habe, am Tag, nachdem ich ‚Es war einmal Aleppo’ zum ersten Mal ausgelesen habe, warne ich sie im ersten Satz vor und eine solche Warnung sollt auch ihr bekommen:

Das wird jetzt ein bisschen ein Liebesbrief – und ein bisschen tut mir das leid, aber was muss, das muss. Und das hier, das muss.“

Es war einmal Aleppo’ ist mein Lieblingsbuch. Neuerdings. Damit hat es ‚I am the messenger’ von Markus Zusak abgelöst, das sieben Jahre unangefochtenes Highlight meines Leselebens war, und im Folgenden werde ich versuchen, euch zu erklären, wieso.

Das Thema ist überfällig!

Es sei erwähnt, dass dieses Buch kein #ownvoices Buch ist. Jennifer Benkau musste nie fliehen, hat nie in einer Erstaufnahmeeinrichtung gelebt und wurde von keiner Bevölkerung mit angeblich friedlichen Demonstrationen terrorisiert. Aber sie hat in solchen Einrichtungen gearbeitet, hat mit etlichen Geflüchteten gesprochen und eben auch mit Gegnern der Bewegung. Sie hat sich außerdem umfassende Gedanken darum gemacht, was sie darstellen kann und was nicht. An Respekt vor der Thematik oder den Menschen hinter der Thematik mangelt es (meines Erachtens) nicht.

Darüber hinaus gilt: wie oft haben wir die Politik oder unsere Eltern schon sagen hören, die Flüchtlingskrise sei eine, die unsere Generation lösen muss, da alle vorherigen Generationen sie eher noch befeuert haben? Der erste Schritt, um diese Verantwortung anzunehmen, ist ein intensives Auseinandersetzen mit dem Thema. Und es zeugt von Kurzsichtigkeit, zu glauben, wir könnten uns vor dieser Verantwortung drücken. Es passiert unvorstellbar Schreckliches auf dieser Welt und Menschen, die es mit eigenen Augen sehen mussten, setzen ihr Leben aufs Spiel, um dem zu entkommen. Wir sind in der Pflicht, ihnen das nicht schwerer, sondern einfacher zu machen.

Dieses Buch kann einen Einstieg in diese Thematik sein, denn es präsentiert ein Erleben, das unserem so grundsätzlich entgegen steht, indem es ihm ein Gesicht gibt (und was für eins!), indem es ihm eine Stimme gibt und Raum, diese zu benutzen. Es ist bemerkenswert, wie viel dieses Buch uns zu sagen hat, wenn wir bereit sind, hinzuhören.

Es ist ein Jugendbuch!

Ich hatte das Glück, auf der Leipziger Buchmesse eine Stunde lang mit Jennifer Benkau zu sprechen. Wir haben eine Cola getrunken und gequatscht, ganz ungezwungen und doch so bereichernd. So hat sie auch meine Begeisterung darüber, dass es sich bei ‚Es war einmal Aleppo’ um ein Jugendbuch handelt, noch um einen Blickwinkel erweitert, der mir bisher nicht eingefallen war.

Nicht nur, dass es großartig ist, dass wir mit Toni eine sechzehnjährige Protagonistin haben, weil diese als Reflektorfigur eine Perspektive aufmacht, die mir als Leserin sehr vertraut ist und mit der ich mich deshalb schnell identifizieren kann. Eine Identifikation, die nicht uninteressant ist, da ‚Es war einmal Aleppo’ die Geschichte davon erzählt, wie Toni sich aus der Unwissenheit emanzipiert und am Ende nicht nur Wege gefunden hat, zu helfen, sondern diese auch geht. Diese Wege mitzugehen, gibt dem Leser sowohl das Gefühl, dass es möglich ist, als auch einen Punkt, an dem man anfangen kann.

Aber auch Shirvans Positionierung als junger Geflüchteter hat das Jugendbuch prädestiniert. Denn ein Teil dessen, was das Buch großartig macht, ist es, die politische Situation in Syrien nicht in ihrer Komplexität zu beschränken, um einfache Lösungen anbieten zu können. Shirvan als junger Syrier wäre, wäre er in Syrien geblieben, bald entweder von der Syrischen Armee, der Freien Syrischen Armee, den Kurden oder sonst einer längst in die Ambivalenz abgerutschten Kriegspartei eingezogen worden. Und da jemandem in Deutschland die objektive Einsicht in diese Parteien nicht möglich sind, hat Jennifer Benkau das nicht zugelassen.

Auch eröffnet sie sich so die Möglichkeit, Fragen zu stellen, die „den Deutschen“ so schnell über die Lippen kommen: Warum lassen die ihre Familien, ihre Frauen zurück? Auch lenkt sie den Fokus weg von der Vorstellung „Die junge Männer, die hierher kommen, sind gefährlich!“ und öffnet ihn stattdessen dafür, welche Verantwortungen diesen Jungs auflasten. Dass sie nicht anders sind als wir auch, aber Unerträgliches überlebt haben und damit auf eine Weise umgehen, die ich den wenigsten meiner Altersgenossen in Deutschland zutrauen würde. Gleichzeitig wird nicht beschönigt, dass in diesem Bewältigungsprozess, da wo er erschwert wird oder gar fehlschlägt, Potential für Gewalttätigkeit entsteht, das aber nichts mit der Nationalität des Geflüchteten, sondern mit der universellen menschlichen Psyche zu tun hat.

Es ist ein Entwicklungsroman!

Es ist bereits angeklungen, wie essentiell Tonis Entwicklung für ‚Es war einmal Aleppo’ ist. Aber sie ist längst nicht die einzige, die sich entwickelt. Auch ihre Eltern – besorgte Bürger, wie sie im Buche stehen – kommen um Entwicklung nicht drumherum. Dennoch wird nicht schöngeredet: die Entwicklungen scheinen nicht romantisiert und kommen auch nicht aus dem Nichts. Außerdem inszeniert Jennifer Benkau als Gegenentwurf zu all der hoffnungsvoll stimmenden Entwicklung auch das frustrierende, aber leider realistische Stagnieren der Meinungen verschiedener Bevölkerungsschichten, die Gleichgültigkeit und das Verschließen gegenüber der neuen Nachbarn.

Wichtig erscheint mir auch zu erwähnen, dass wir es nicht mit einem Buch zu tun haben, indem die zwischenmenschliche Beziehung von Toni und Shirvan darauf reduziert wird, dass er ihr beibringt, der bessere Mensch zu sein. Für mich war diese kommunikative Ebene schon ein absolutes Highlight, weil man tatsächlich miterleben kann, wie sie sich verlieben, wie da Nähe entsteht, wo jemand Dinge zu sagen hat und ein anderer sich Zeit nimmt, sie zu hören. Vielleicht kennt ihr auch den Spruch, dass wir vor allem zuhören, um zu antworten und nicht, um zu verstehen. Genau das scheint bei Shirvan und Toni nicht zu passieren. Und auf dieser Verstehensebene kann auch Shirvan sich entwickeln, vertrauen lernen, sich öffnen – kurzum: von Toni (auf unproblematische Weise!) profitieren. Dabei wird allerdings nie ein Hehl darum gemacht, dass Shirvan auch Traumata hat, an denen Toni nicht rühren kann, die sie nicht zu heilen hoffen kann, denen sie keine bagatellisierenden Floskeln entgegensetzen kann, egal, wie gut die gemeint wären.

Die Familie wird nicht totgeschwiegen!

Es ist selten genug, dass in Jugendbüchern die Familie der Protagonisten thematisiert werden. Jennifer Benkau hat dazu den klugen Satz gesagt, dass Eltern die Protagonisten vor der Gefahr bewahren würden, in die sie sich meistens stürzen, weil in der Gefahr die Story verborgen liegt. Kann ich verstehen. Trotzdem: dass ‚Es war einmal Aleppo’ nicht alternativ das Liebesdreieck aufmacht, weil Tonis derzeitiger Freund sich als Flüchtlingsgegner entpuppt und sie sich aus dieser Beziehung emanzipiert, um dann in Shirvan die wahre Liebe zu finden, sondern sich diese Emanzipierungsprozesse innerhalb der Familie abspielen, macht für mich einen Teil seines Zaubers aus.

Gerade in dieser Phase, in der man zum ersten Mal bemerkt, dass man auf das Ende seiner Schulzeit zugeht, in der man anfängt, sich als Produkt seiner eigenen Gedanken zu verstehen und nicht als Produkt seiner (elterlichen) Umwelt, ist die Familie so wichtig. Weil es potentiell der erste, essentielle Ablöseprozess ist und so oder so eine enorme Hochburg des Personwerdens, sich gegen seine Eltern durchzusetzen, sie als fehlbar zu erleben und zu verstehen, dass die Unantastbarkeit, die man ihnen zugesprochen hat, eine Illusion ist. Diese Dynamik kombiniert mit der Idee, wie erschreckend es ist, wenn plötzlich die Menschen in deinem nächsten Umfeld anfangen, rassistische Scheiße von sich zu geben, bereichert ‚Es war einmal Aleppo’ auf eine Weise, auf die ein Liebesdreieck das niemals gekonnt hätte.

Wir befinden uns im 21. Jahrhundert!

Eigentlich sollte man meinen, dass es keinen so großen Unterschied macht, ob das Internet in einer Geschichte thematisiert wird oder nicht, aber ‚Es war einmal Aleppo’ wird dadurch so viel besser, dass es nicht unerwähnt bleiben kann.

Sei es die Facebook-Gruppe, in der die Stadt sich gegen die Erstaufnahmeeinrichtung organisiert, sei es die Googlesuche, die Toni anstellt, weil sie bemerkt, wie viel sie (noch) nicht weiß und dass das ein Scheißgefühl ist. Sei das der Blog, den Toni und Fee, ihre beste Freundin, führen und der ihnen ein Fleckchen Internet zuspricht, das so gestaltet werden kann, wie sie es für richtig halten, das ihnen also eine Macht zuspricht, die vor einer Hilflosigkeit schützt, die einen (jungen) Menschen durchaus befallen kann, wenn er sich plötzlich einer zum Himmel schreienden Ungerechtigkeit gegenüber sieht, für die es keine einfache Lösung gibt.

Meine Vermutung, dass sich darin für den geneigten Leser eine Anleitung verbirgt, wie er selbstan Informationen gelangen kann, trifft laut Jennifer Benkau zu. Aber es war für sie auch eine Möglichkeit, Bilder und Videos in die Geschichte zu integrieren, über die sie in ihrem Rechercheprozess stolperte und die sie nicht weglassen konnte. Ohne jemandem das Bild aufzuzwingen, weiß der Leser jetzt, wo er Videos über Fassbomben-Abwürfe in Homs oder das Bild des dreijährigen Alan Kurdi finden kann, der die Flucht über das Mittelmeer nicht überlebte. Dieses Bezugnehmen auf die Realität minimiert die Distanz, die zwischen Leser und Figur aufkommen könnte. Es schafft ein Buch, das betroffen macht.

Es gibt zwei Seiten der Medaille!

Ohne behaupten zu wollen, es sei möglich, ‚Es war einmal Aleppo’ auch als Bestätigung dafür zu lesen, dass Fremdenfeindlichkeit gerechtfertigt ist, gelingt es Jennifer Benkau, beide Seiten – das uneingeschränkte Für und das unbelehrbare Dagegen – nebeneinander stehen zu lassen und ihnen zumindest kommunikativ einen Raum zu geben, indem sie sich begegnen können, um im Kontakt Vorurteile abzubauen. Die Sorgen von Tonis Eltern sind nicht aus der Luft gegriffen, aber wenn sie ganz konkret von einem Betroffenen hinterfragt werden, offenbaren sich die Logiklücken, offenbart sich der Moment, in dem man sonst immer weggeguckt hat, weil er an unsere Menschlichkeit appellieren würde und für uns dann nicht länger ignorierbar wäre.

Das nächste Bild zeigt ihn ein wenig jünger im Kreise von sechs anderen Jugendlichen. Vier Mächen und zwei Jungs, einer davon der Cousin Nour. Eins der Mädchen trägt ein lose gebundenes buntes Tuch in den Haaren, eins ein weißes Kopftuch, zwei andere sind gekleidet, wie Fee und ich uns auch anziehen würden. Na gut, der Ausschnitt von einem der Mädchen wäre mir ja etwas zu tief. Erstaunlicherweise trägt sie ein Kreuz an einer Kette um den Hals. Die Jungs sehen aus, wie Jungs nun mal aussehen, wenn sie ausgehen. Vielleicht ein wenig möchtegern-cool – aber nett. Die Gruppe sitzt mit Teegläsern um den Tisch eines Straßencafés, im Hintergrund erkennt man einen gepflasterten Platz und einen stuckverzierten Springbrunnen. Und eine Bar, über deren Holztür ein grünes Heineken-Bier-Schild hängt. Das könnte überall auf der Welt sein. Ich hatte mir syrische Städte ganz anders vorgestellt.
»Das ist Aleppo?«, frage ich.
»Nein.« Er steckt das Handy wieder ein und senkt den Blick. »Das war einmal Aleppo.«
[Jennifer Benkau – Es war einmal Aleppo, S. 108-109]

Damit dies gelingen kann, gibt Jennifer Benkau – von Informationen von Geflüchteten unterfüttert, mit denen sie selbst gesprochen hat – sehr schöne Einblicke in die arabische Kultur. Sei das über das Kulinarische, über das Verhalten, über die Religion, über Familienhierarchien, über Zukunftsträume, über, über, über. Ich habe so viel gelernt, von dem ich nichts wusste, habe ganz viele Vorurteile widerlegt bekommen und hab mich mit Toni heimlich meiner Unwissenheit geschämt. Nachdem ich das Buch ausgelesen habe, hab ich mich für einen Arabischkurs eingetragen und seitdem nehme ich auch regelmäßig an den Stammtischen unserer studentischen Flüchtlingsinitiative teil. Dieses Buch macht eine unbeschreibbare Lust auf diese fremde, aber vielleicht auch gar nicht so fremde Kultur.

Es ist ein gutes Buch!

Dass es ein wichtiges Buch ist, sollte an dieser Stelle niemanden mehr überraschen. Aber es ist auch sprachlich und strukturell eine wahre Freude gewesen.

Das fängt an mit einem programmatischen ersten Satz: „Wir sind uns einig, dass wir all das nicht sehen wollen, und starren gegen Sichtschutzplanen, die uns dreist jeden Blick verwehren.“ Die ganze Problematik der Flüchtlingsgegner in einem Satz ad absurdum geführt: Man weiß, dass man das nicht sehen will, aber was das ist, weiß man nicht? Klasse, denn dann kann Aufklärung etwas bewirken.

Aber auch das ganze Buch hindurch ist der Stil fantastisch. Uns werden Floskeln erspart, die Beobachtungen treffen den Nagel auf den Kopf und es gibt Sätze, bei denen einem einfach anders wird, so bitter ist die Wahrheit, die sie mit sich bringen. Ich werde nie vergessen, wie Toni auf die Erkenntnis reagiert, dass ihr Personalausweis genauso aussieht wie Shirvans und dass ihr damit alle Türen geöffnet werden, während seiner ihm Tür um Tür um Tür versperrt.

Auch die Struktur lässt sich genießen: die Charakterisierungen sind konstant und schlüssig, die Figuren machen verständliche Fehler und – was viel wichtiger ist - entschuldigen sich dafür, lernen aus ihnen. Man bekommt direkt auf der Seite vor Augen geführt, wie die Entwicklungsstufen aussehen und auch wie man von der einen zur nächsten zu dritten kommt, sodass die Handlung stetig voranschreitet und nie langweilt. Und die Liebesgeschichte, oh mein Gott, die Liebesgeschichte. Sie sei hier nur sehr randständig erwähnt, weil es bei ‚Es war einmal Aleppo’, so wie ich es gelesen habe, wirklich nicht um die Liebesgeschichte geht, aber sie ist so gut. Man gönnt es den beiden so sehr. Sie sind so gut für einander. Sie sind überhaupt so absolut großartig. Die Shipping-Gefühle sind real und allumfassend. Ich hab euch gewarnt.

Zu guter Letzt seien aber auch die Texte erwähnt, die Jennifer Benkau vor die einzelnen Kapitel stellt. Deutsche Nachrichten, abgedruckte SMS, Auszüge aus dem Koran und vieles mehr, so zu- und angeordnet, dass die Geschichte, die innerhalb der Kapitel erzählt wird, ganz natürlich von diese Einschüben bereichert, fokussiert und geprägt wird.

Und, wenn nach 200 Seiten das Syrische Lied der Revolution von Talibe Hout abgedruckt ist, dann ist es mir sowohl beim ersten Mal, als auch beim zweiten Mal unmöglich gewesen, nicht zu weinen. Damit ich euch diese schmerzliche Freude nicht nehme, werde ich es euch nicht hier abtippen. Im Kontext gelesen schnürt es einem alles zu und öffnet doch das Herz.

Es führt zu einem größten Tatendrang!

Die Wirkung, die das Buch auf mich hatte, hab ich schon kurz erwähnt. In der hoffnungsvollen Annahme, dass auch ihr alle dieses Buch bald lesen werdet und dann ein ebenso großes Bedürfnis verspürt, etwas zu tun, weil dieses Buch auch zwei Jahre nach seinem Erscheinen noch schmerzlich aktuell ist – Aleppo heißt jetzt nur Ghouta –, habe ich Jennifer Benkau um Tipps gebeten, wie ihr euren Tatendrang in sinnvolles Engagement umwandeln könnt.

Sie empfiehlt, sich in eurer Stadt nach Möglichkeiten zu erkundigen, sich zu engagieren. Es wird immer Bedarf sein – wenn nicht bei dem einen Träger, sicher beim Nächsten. Und dann sucht euch ein Engagement aus, für das ihr euch auch interessiert. Jennifer Benkau selbst hat Deutschunterricht gegeben, Toni betreut Kinder während Deutschkursen, aber das ist nicht für jeden etwas. Es sind auch Patenschaften denkbar, Hilfestellungen beim Ausfüllen von Formularen, Begleitungen bei Behördengängen, gemeinsame Freizeitgestaltungen. Oder auch nur das Übernehmen von Aufklärungsarbeit, erst an euch selbst und dann an eurem Umfeld.

Das Flüchtlingsthema ist noch nicht durch, nur weil es nicht mehr ständig in den Nachrichten ist. Ganz im Gegenteil. Wenn wir nicht mehr aktiv informiert werden, müssen wir das eben selbst übernehmen. Weil es das Menschsein ist, das uns verbindet, das uns einander verpflichtet, und nicht die willkürliche Zugehörigkeit zu dem Fleckchen Land, auf dem wir geboren wurden.

In diesem Sinne, lest dieses großartige Buch!

B E W E R T U N G

TIEFE: 5/5 Punkte
CHARAKTERE: 5/5 PunkteKONZEPTION: 5/5 PunkteGESAMT: 15/15 Punkten
Kaufempfehlung: Unbedingt – es ist großartig!

In aller Liebe, eure Kira

Rückblick: Die Leipziger Buchmesse

Sonntag, 25. März 2018

Die Leipziger Buchmesse lief letzte Woche um diese Uhrzeit noch. Ja, es war schon kurz vor dem Ende und draußen toste der Schnee wie verrückt. Mir kommt es so vor: Eine Woche ist es erst her, dass ich dort gewesen bin? Soviel länger kommt es mir schon her vor.
Und Blues, von den Büchermenschen, die man dort getroffen und den spannenden Sessions und Lesungen, die man erleben durfte, sind größer denn je.


Die Vorbereitung der Tage
Super aufgeregt bin ich durchs Programm gerauscht, habe alle Veranstaltungen herausgeschrieben, die mich interessieren könnten und habe zwei DIN-A4-Seiten vorder- und rückseitig vollgeschrieben, was ich alles sehen wollte.
Natürlich wurden alle möglichen Tipps zu Buchmessen vorher durchgelesen, woran man denken sollte, was man auf keinen Fall vergessen durfte, welche Besonderheiten es gab, auch Diskussionen verfolgt, wie die letzten Messen abliefen, was wer dort schon durchlebt hat.
Ob ich gethrillt gewesen bin?
Absolut.

Die Messetage

Ausblick in die Glashalle.


Donnerstag, 15. März

Die Vorfreude war doch so groß, dass man kaum geschlafen hat. Ich und die liebe Laura sind dann frühmorgens aus Berlin losgegondelt und immer hatte ich spitze Ohren, ob jemand die Buchmesse erwähnt. Im ICE habe ich auf die Reservierungsanzeigen geachtet, wie viele Menschen wohl nach Leipzig wollten und des öfteren hab ich versucht zu durchschauen, ob diese Leute wohl aus dem gleichen Grund dahin unterwegs gewesen sind wie wir beide.
(Wie sich dann herausstellt, sind zwei unserer Buchhändlerinnen aus der Stadt im gleichen ICE gewesen und auf dem gleichen Weg wie wir. Sachen gibt’s.)
Nachdem wir unsere Sachen im Hotel abgeladen hatten und endlich bei der Messe ankamen, war ich vor allem eines: Überwältigt. Ich hatte mir mehrmals deutlich gemacht, dass alles sehr groß und unübersichtlich sein wird, aber war dann doch … Geschockt? Positiv geschockt. Soviele Menschen, so viele unfassbare coole Cosplayer, soviele Verlags- und Büchermenschen, überall. Über die Fläche, die man beschreiten kann, muss ich nicht erst anfangen zu sprechen.
Kurz danach war unsere Skepsiswerke-Squad auch vereint, als Kira dazugestoßen ist.
Ironisch, wie es manchmal ist, kam gerade das Gespräch auf, ob man bei den Menschenmassen überhaupt jemanden erkennen würde, den man kennt, als wir Jenna Liermann gesehen haben, eine unserer gemeinsamen Schreibbekannten, noch aus den Anfangszeiten. Da war schnell ein Termin zum Quatschen und Essen abgemacht.
Unsere erste Idee des Vortrags verwarfen wir wieder, als dieser einfach nicht starten wollte und besuchten stattdessen „Die häufigsten Fehler auf der ersten Seite“, die von einem Literaturkritiker gehalten wurde. Obwohl Vieles davon sehr basic gewesen ist, war es stellenweise überraschend und amüsant, was Autoren sich zu Beginn ihrer Bücher einfallen lassen und was man davon lieber vermeiden sollte.
Das darauffolgende Gespräch mit Jenna war wunderbar. Ich kann aus tiefster Seele beteuern, dass das eine liebe und wunderbar kreativschaffende Autorin ist, die obendrein auch noch sehr lustig und sympathisch ist. Wenn man über die Anfangszeiten des eigenen Schreibens quatscht und Buchreihen verfliegt die Zeit nur so.
War dann auch so. Plötzlich war es nachmittags und wir hatten eine Handvoll unserer Veranstaltungen verpasst.Unter anderem auch „Wie vernetze ich mich in der Bücherwelt?“ mit Christian Milkus und Jasmin Zipperling. Bei Nachfrage hat mir letztere ihre Notizen überlassen, damit ich trotzdem noch etwas aus der Veranstaltung mitnehmen kann. (Danke nochmals dafür!)
Als Ausklang des Abends haben wir uns noch die SERAPH-Verleihung gegönnt. Dabei waren viele sehr sympathische Autorinnen und Autoren nominiert und haben gewonnen. (Außerdem wurden soviele Buchtitel genannt, die ich mir jetzt noch kaufen möchte. Die Wunschliste steigt.)
Der Ausklang des Tages war dann doch sehr schwerfällig und wir sind nur noch todmüde ins Bett gefallen. Aber umso motivierter und voller Vorfreude auf Tag zwei.

Freitag, 16. März:

In alter Frische haben wir uns dann getroffen und sind zur Lesung des SERAPH-Gewinners Michael Marrak gegangen, der aus seinem Fanatsy-Roman „Der Kanon mechanischer Seelen“ gelesen und mich sehr begeistert hat. Zusätzlich war der Autor einfach wunderbar sympathisch und hat frei von der Leber weg in seinen Roman eingeleitet. (Kurz danach konnte ich es mir also nicht nehmen lassen, das Buch zu kaufen, wie das eben immer so ist.)
Anschließend haben wir uns zu einer Diskussion von „Wie man richtig netzwerkt“ hinbegeben und vor die erste Reihe gesetzt, sodass wir zum Mitsingen und Mitklatschen bereit waren. Und hingegen vielem, was schon diskutiert worden ist, wurde das Netzwerken hier etwas weiter ausgeleuchtet: Nicht nur das Aufbauen eines Netzwerks mit Büchermenschen ist wichtig, sondern auch das mit solcher aus anderen Branchen, die trotzdem ähnliche Interesseren haben. Wunderbare Gelegenheiten bieten beispielweise Treffen der Female Future Force. Und klarer denn je wurde, dass netzwerken nicht nur großen Spaß machen kann, sondern die Diskussion über Themen, ob man mit seinem Gegenüber die Meinung nun teilt oder unterschiedliche Meinungen hat, erweitert den Horizont.
Üblich gehetzt, aber langsam erkennend, dass es schwierig wird, nicht von jder Veranstaltung etwas zu verpassen, wenn man nicht besser plant, machten wir uns dann auf den Weg zum Vortrag zu „Wie erstelle ich eine Autorenwebsite“, wo wieder einiges nützliches, aber auch vieles Bekanntes genannt wurde.
Ein kleines Highlight, das wir uns ausgerechnet hatten, sollte darauffolgen, war es dann allerdings nicht: „Antisexistische Awareness“ von Ann Wiesenthal. Das Thema war leider nur einführend, nicht vertiefend und für jemanden geeignet, der sich noch nie damit beschäftigt hat (falls das heutzutage geht) und hinterließ uns daher sehr ernüchternd. Leider kam keine Diskussion zustande, stattdessen war es schnödes Ablesen vom Text.
Die darauffolgenden Programmpunkte hingegen konnten dann doch nochmal alles aufwiegen: Endlich traf man die wunderbare Isabella, die zwar alle anderen immer mit „Kinder der Sonne“ anspricht, doch eigentlich selbst eines ist. Was für ein liebenswürdiger, lustiger Mensch, mit dem man bisher nur geschrieben hat. In real ist sie mindestens genauso großartig und klug.
Auch der Programmpunkt von „Verlage gegen rechts“ hielt, was er verspricht: Es gab eine anregende Diskussion über Bücher aus anderen Kulturen, geschrieben von Menschen verschiedenster Herkunften, über Themen, die uns sehr viel näher sind, als uns im ersten Moment scheinen mag und Themen, die uns viel fremder erscheinen, als sie es in Wirklichkeit sind. Aufgeschlossene, schlaue Menschen haben da vorn für uns diskutiert, ein Buchhändler, Verlagsmitarbeiter, Übersetzerinnen. Und so passend wurde es gesagt: „Das Fremde ist gar nicht so fremd - und gerade das lernen wir, indem wir [Geschichten aus fremden Kulturen] lesen.“
Auch die darauffolgende, nicht schlechte, aber nicht sehr inhaltvolle Diskussion zu „Genre: Romance schreiben“ konnte die Laune nicht mehr verderben. Nach der #LLC17 waren wir auf einiges in diesem Thema gefasst, aber es blieb relativ bodenständig und niemand wollte sich wegträumen, was ungemein erleichtert hat. Lediglich hinterfragungswürdig blieb, als die Nachfrage kam, was denn bei einer Lovestory nicht fehlen dürfe, wie aus der Pistole geschossen die Antwort kam: „Ein heißer Typ“. Und keiner wollte Sex-Szene sagen. Da war es lieber die Liebesszene.
Der Abschluss unseres Messetages auf dem Gelände war dann die Lesung zu „Dunkelgrün fast schwarz“ von Mareike Fallwickl. Super atmosphärisch gelesen, die Zuschauer hörten wie gebannt zu – und was soll ich sagen, ich hab das Buch vorbestellt. Sie hat alles richtig gemacht.
Zu allerletzt nach einigen Irrungen durch Leipzig am Hauptbahnhof haben wir noch das Irish Pub gefunden. 9Lesen hatte zum Glück noch nicht begonnen, aber Plätze waren keine mehr da. Was wir verstanden haben, war toll geschrieben, sehr viele sympathische, schreibende Menschen waren anwesend und denjenigen zuliebe, die es schwer verstehen konnte, wurde das Mikro lauter gestellt.
Auch wenn einiges nicht geklappt hat für uns, bin ich umso gespannter auf die zweite Runde von 9lesen, die sie angekündigt haben und die es, so wie es sich anhörte, auch in Frankfurt bei der nächsten großen Buchmesse geben soll.

Die Selfie-Panne. Oder: Wenn Skepsiswerke versucht, Selfies zu machen.


Samstag, 17. März

Für mich und die liebe Laura brach der letzte Messetag an. Ausnahmsweise fühlten wir uns nicht todmüde und waren motiviert, zur Lesung von Tina zu gehen, die aus ihrem Roman „125 Tage Leben“ lesen wollte.
Das wurde leider nichts. Der Tag startete mit der Schneepanne, die sich über das Wochenende ziehen würden und leider haben wir es verpasst. Auch Kiras Interview mit Jennifer Benkau (ihr werdet wieder davon hören!) wurde etwas später am Tage angesiedelt, weil es schwer war, überhaupt das Messegelände zu erreichen.
Nichtsdestotrotz wendete sich noch alles zum Guten: Wir kamen doch noch an. Endlich wurde Halle 1 besucht, wo sich Cosplayer über Cosplayer türmten und deren Kostüme von großartig zu „mirstehtinzwischennurnochderMundoffen“ wechselte, auch wenn man nicht mehr umfallen konnte, weil es so eng war.
Und Tina hat man dann doch noch zusammen mit Isabella getroffen und konnte ein paar Minuten schnacken, bevor man weiter zum nächsten Treffen ging.
Dass Verena ein echtes Monster an Inspiration ist, wusste ich schon vorher, wurde beim Treffen aber noch sehr viel deutlicher. Auch Saskia war dabei und sie war super nett (ich hab mich sehr wichtig gefühlt, als ich ihr die Hand geschüttelt habe). Dabei haben wir noch einen kurzen Abstecher bei Anne gemacht, eine unglaublich liebenswürdige Person.
In der Kleingruppe sind wir dann durch die Hallen gewandert und was soll ich sagen? Das war eine super intensive Zeit, die super motivierend gewesen ist, wenn über Agenten, Verlage, Projekte und das LitCamp diskutiert wurde.
So sehr, dass Skepsiswerke da schon wieder Pläne schmiedet. Ihr werdet davon erfahren.
Es wurde noch eine kleine Selfie-Session gemacht, wo die Skepsiswerke-Squad sich höchstwahrscheinlich zur Unterhaltung für Vorbeilaufende gemacht hat. (Wir hatten trotzdem großen Spaß.)
Zu guter Letzt, bevor der dramatische Abschied kam, kam für den Tag noch ein Session dazu, weil dieser ja mehr aus Treffen bestanden hat als aus Input. Diesmal von dem Nornennetzwerk und der Märchenspinnerei gemacht, sollte es um starke Heldinnen in der Phantastik gehen.
Die halbe Stunde war gefühlt nicht ganz gut genutzt: Leider sehr viel Einführung zu den beiden Zusammenschlüssen, wenig Inhaltliches zum Thema der Heldinnen an sich, auch wenn über Feminismus gesprochen wurde und die Benachteiligung von Frauen in der Buchbranche.
So war es nicht der perfekteste aller Abschlüsse, aber doch war die Traurigkeit groß, als man sich verabschiedet hat.
Man war nur kurze Zeit von Büchermenschen umringt und trotzdem hat man sich so schnell eingelebt. Und ich wollte noch nicht gehen.
Ich meine, nicht nur, dass mein Zug ausgefallen ist wegen des Schnees, aber ich wollte halt nicht. Zwischen Bücherschreibenden, Lesenden, Bloggenden und allen anderen, die das gleiche lieben wie ich hatte man es sich sehr bequem gemacht. Jederzeit wieder.

Starke Frauen in der Phantastik? Das Nornennetzwerk und die Märchenspinnerei äußern sich.



Sonntag, 18. März

Wir waren leider nicht mehr da und auch Kira hatte einige Schwierigkeiten noch mit dazu zu kommen. Nichtsdestotrotz sollte man den klugen Vortrag von Mareike und Elif erwähnen, die den Zuhörenden gezeigt haben, wie wichtig es eigentlich ist, die Gesellschaft und die Politik oder Misstände von Sexismus, Klassismus etc in Büchern nicht einfach als gegeben hinzunehmen, sondern zu diskutieren, zu hinterfragen, darauf aufmerksam zu machen. Sie haben Mut gemacht, sich zu trauen. Man soll über Rape-Fiction sprechen, denn es gibt ein gesellschaftliches Bild wider. In Jugendbüchern kann es das Bild von jungen Lesenden mitformen. Wir sind nicht unbetroffen davon, was wir lesen und sich damit herausreden zu wollen, dass man ja nur liest, weil man Spaß dran hat und sich beim Lesen nicht damit beschäftigen will, funktioniert einfach nicht mehr. Wer nichts sagt, stimmt zu oder akzeptiert wenigstens.
Ich war leider nicht dabei, hatte allerdings das Glück, mir einen Live-Stream ansehen zu können. Da schlug das Herz auch ein wenig höher, als Skepsiswerke als ein positives Beispiel hierfür genannt wurde. Ich war so geehrt. Und so unglücklich, nicht dabei gewesen zu sein.

Fazit und Erkenntnisse:

→ Realistischer planen.
Ich hab mir für jede halbe Stunde irgendeien Veranstaltung in den Stundenplan gesetzt – das ist selbstverständlich nicht sehr sinnvoll gewesen, wenn wann sollte ich von A nach B kommen? Das hatte ich nicht so richtig mit einberechnet.

→ Treffen vorher genauer absprechen.
Spontane Treffen sind eigntlich super! Aber wenn man manche Veranstaltungen besuchen will, die einem wichtig sind und andere eigentlich eher egal sind, sollte man das genauer im Kopf haben und entsprechend planen. So nimmt man von den Treffen mit den Menschen dort mehr mit und von den Diskussionen und Vorträgen, die gegeben werden, auch noch.

→ Vorher einkaufen gehen.
Hatte ich mir vorgenommen, dachte dann aber „Scheiß drauf“. Tja, jetzt habe ich auf der Messe verhältnismäßig wenig Geld für Bücher gelassen, aber ziemlich viel für Essen (weil ich auch noch so furchtbar verfressen bin.)

→ Themenbasiertere Vorträge/Diskussionen/Ähnliches besuchen, weniger bereits bekanntes, vermeintlich Wichtiges.
Was Büchermachen angeht, habe ich wenig Neues erfahren. Das meiste kratzte nur an der Oberfläche, was für die breite Masse vielleicht ausreichend ist, mich allerdings häufig etwas enttäuscht zurückgelassen hat. Wahrscheinlich eben auch, weil ich nicht die Zielgruppe war. Deswegen erscheint es sinnvoller, lieber themenbasierte Debatten und Vorträge anzuhören und daraus etwas für mich mitzunehmen. Selten werde ich wieder die Chance haben, einen Experten zum Thema vor mir zu haben und Fragen zu stellen.

Alles in allem war die Buchmesse nicht genau so, wie ich sie mir vorgestellt habe, ja – sie war noch um einiges überwältigender. Noch immer kann ich nicht alles überblicken, was ich gelernt habe, was ich gesehen habe, wen ich getroffen habe. Aber bereits jetzt fiebere ich auf das nächste Mal Leipzig hin, darauf, wieder in der Glashalle zu stehen, umringt von den coolen Cosplayern und Büchermenschen. Mal sehen, wen man dann kennenlernt.

Bis dahin

Alisha

Der dritte Entwurf, das Testlesen und ich - eine Reflexion in sieben Lektionen

Sonntag, 18. März 2018

Befasst man sich als Autor*in damit, Texte nicht nur zu schreiben, um sich die Geschichte erzählt zu haben, sondern auch um mit ihnen in die Öffentlichkeit zu treten, kommt man fast nicht um das Phänomen ‚Testleser’ herum.

Worum es sich bei ihnen handelt, wodurch (ob) sie sich von Alpha- oder Beta-Leser unterscheiden, wo man sie findet – dafür gibt es im Internet zahlreiche Anlaufstellen. An dieser Stelle soll es um eine Reflexion meines letzten Testleser-Erlebnisses gehen, genauer gesagt: Es soll einen Einblick geben, wie das so ablaufen kann, mit dem eigenen Text und den Testlesern und dir, der Autorin.

Hiermit sei außerdem betont: wie jedes Erleben ist auch dieses subjektiv. Es kann sein, dass deine Erfahrungen von meinen abweichen und das nimmt weder deinem Erlebnis etwas an Validität noch meinem. Wo Menschen zusammenkommen, sind die Ergebnisse von Variablen durchsetzt.

Damit aber mitten rein!

Photo by Natalie Collins on Unsplash

Alles neu macht der Mai - meine persönliche Disposition


Ich bin nicht talentiert, was die Arbeit mit Testlesern angeht. Meistens ist mein Fazit nach solchen Runden: Alles weg, alles neu. Auf diese Weise sind wir zum dritten Entwurf ein und desselben Romans gekommen, dessen momentane Überarbeitung sich durchaus auch in der Nähe eines rewrites befindet.

Das heißt allerdings nicht, dass ich mir die Kritik meiner Testleser nicht zu Herzen nehme. Meine wunderbare Mitbloggerin Alisha hat mich damals 2015 in der allerersten Testleserrunde darauf hingewiesen, dass sich der Unterschied1 viel mehr nach einer Geschichte zwischen meiner Protagonistin und ihrem Vater anfühlt als nach der Liebesgeschichte, zu der ich es erklärt hatte. Und siehe da, zwei Entwürfe später ist genau das passiert: aus us against the world wurde die Geschichte einer zerbrechenden Familie, die hofft, die Kindheit der jüngsten Tochter gehöre zu den Dingen, die noch zu retten sind.

Tatsächlich hab ich dank diesem Umstand aber schon eine ganze Menge ausprobiert: viele Testleser, wenig Testleser, ebenfalls schreibende Testleser, ausschließlich lesende Testleser, Online-Bekanntschaften, Offline-Bekanntschaften, den ganzen Text auf einmal, den Text in Etappen, ein allgemeiner Fragebogen, ein konkreter, auf Kapitel bezogener Fragebogen, ... you name it, I've done it.

Ein bisschen Schwund ist immer - die Startvoraussetzungen


Die dritte Überarbeitung des Unterschieds hatte ich im Sommerurlaub mit meiner Familie begonnen, schön und gut, unter der maltesischen Sonne. Zu Ende gebracht habe ich sie in einem Akt der Selbstsabotage: zu einer Zeit, in der mein Körper mir meine leer geräumten Energiehaushalte mit ständiger Müdigkeit, überdauernder Lustlosigkeit und einem ungesunden Stresslevel aufzeigte, habe ich ihm das harte Regime unvernünftiger Deadlines entgegengehalten und mich in einem dreitägigen Horrortrip durch die letzten Kapitel gequält. Danach war ich leer und erschöpft, hab alles gehasst, was ich geschrieben habe, und war mir sicher, Müll verzapft zu haben, aber wenigstens war der Roman raus.

In drei Etappen sollten ihn zwischen November und März sieben wunderbare junge Frauen zu lesen bekommen. Davon haben zwei alle drei Etappen gelesen, drei die ersten beiden Etappen, eine Leserin nur eine Etappe und die letzte ist komplett ausgestiegen. Das mag ernüchtern, sollte aber einfach in die Erwartung miteingepflegt werden: ein bisschen Schwund ist immer. Da kannst du zwanzig Testleserinnen haben oder drei. Soweit ich das bei meinen Autorenkolleg*innen mitbekommen habe, ist das auch nirgendwo wirklich anders und wenn es anders ist, ist es die Ausnahme. Und auch meine drei bisherigen Testleserrunden bestätigen das. Gemessen daran, dass Testlesen eine unentgeltliche, freiwillige Arbeit ist, die kaum Priorität einnehmen kann vor Arbeit, Ausbildung und einem gewissen Maß an Freizeit, ist das auch nur allzu verständlich.

Grumpy Cat – zur Balance negativer und positiver Kritik


Ich habe das Glück, in meinen Testleserrunden zunehmend mit klugen und konstruktiv begabten Menschen zusammenzuarbeiten. Da nimmt niemand ein Blatt vor den Mund, wenn eine Reaktion unverständlich ist, wenn eine Dynamik missfällt oder ein Charakter sich überflüssig anfühlt. Das wird erwähnt, erläutert, eventuell werden sogar Verbesserungsvorschläge gemacht.

Und das ist absolut großartig – denn gerade dafür gebe ich den Text ja in diese vertrauensvollen Hände. Nur aus solchen Bemerkungen lernt man: was funktioniert, was nicht funktioniert, vielleicht sogar: wieso es nicht funktioniert hat. Dieser Teil des Testlesens ist unbezahlbar.

Aber manchmal führt das in bester Absicht dazu, dass eine Kritik sich sehr auf die Dinge verbeißt, die noch nicht gut genug gelingen. Das kann einem das Herz sehr schwer werden lassen. Selbst, wenn es am Anfang der Kritik einen Disclaimer gibt, dass im Folgenden vor allem das Kritisch-Gesehene Erwähnung findet und das andere ungesagt bleibt, aber großartig gefunden wird.

Dann heißt es: Emotionsregulation, nicht -repression. Enttäuscht sein, ist okay. Frustriert sein, ist okay. Traurig sein, ist okay. Aber wenn das Gefühl gefühlt ist, muss man auch die Kurve wieder kriegen. Und wenn man dafür bis morgens um vier wachliegen muss, um die Kritik so zu durchdenken, dass man einen Ansatz findet, sie gewinnbringend auf die Geschichte anzuwenden – bye, bye, Bens Schwester, bye, bye, Subplot 100 001.

The more, the merrier? - Die Nebencharaktere

Ich gestehe es: Nebencharaktere sind meine Schwäche. Ich liebe sie. Ich finde sie oft unverzichtbar, besonders dann, wenn sie völlig überflüssig sind. Mit einer besonderen Leidenschaft steigere ich mich dann in sie hinein, bis sie den spannenderen Plot haben als die Hauptfiguren, und habe eine langjährige Geschichte damit, den Hauptfiguren und vor allem dem Hauptkonflikt Rampenlicht abzuzwacken, um ihre Geschichten zu erzählen. Eher nicht empfehlenswert.

Denn: es ist mühsam, sich das abzugewöhnen, und gerade für den Unterschied, der schon etliche Nebencharaktere hatte, die früher oder später aus der Geschichte geflogen sind (Katha, Violet, Theo, Mellie, Kennedy, Clara, Tanya, Tina, Nelson, Sebastian, Opa Georg, Zoey, Paul, Luisa, Werner, Matthias, Robin, Ulli, Philipp, Werther, Flo, Regina, um nur einige zu nennen), ist es ein hartes Stück Arbeit, das sich im Prinzip aus Trial & Error zusammensetzt.

Nehmen wir das Beispiel „Mellie“. Entwurf Eins kannte sie nicht. Entwurf Zwei hatte sie als Antagonistin. Im Schreibprozess von Entwurf Drei war sie eine Freundin meiner Protagonistin. In der Überarbeitung (vor den Testlesern) hab ich sie gekickt. In der jetzigen Überarbeitung (nach den Testlesern) hab ich sie wieder reinschreiben wollen, letzte Woche aber beschlossen, sie doch rauszulassen. Was für ein Hin und Her.

Besonders schwierig wird es, wenn Leser-Sympathie mit Autoren-Vernunft kollidiert.
Mit Kims Bistrokollegen Theo hab ich einen potentiellen Lieblingscharakter geschrieben, der leider nicht genug Rolle hatte, um eine Funktion zu haben, und deshalb fliegen musste. Manche meiner Testleserinnen haben mir das immer noch nicht verziehen.

Schwierig wird es auch, wenn es widerstreitende Meinungen gibt, was uns zur nächsten Lektion bringt.

Wenn zwei sich streiten, freut sich die Dritte – Uneinigkeit bei Testlesern


Der beste Freund meiner Protagonistin, der den Konflikt in ihrer Familie noch unterstreichen sollte, weil er ihr als Stütze verloren geht, obwohl sie ihn doch so braucht … der ist in vielerlei Hinsicht auf Ablehnung gestoßen: zu arrogant, zu selbstbezogen, absolut blind für seine Umwelt und besonders das Leid der Protagonistin. Rückblickend schien er sogar den überflüssigsten Plotstrang zu besiedeln.

Die Konsequenz scheint einfach – streicht man ihn halt. Doch dann, wenn man fast schon keine Hoffnung mehr für ihn hat, sich beinahe etwas schuldig fühlt, ihm einen so miesen Dienst geleistet zu haben, liest man in der nächsten Kritik unvergleichliche Lobeshymnen auf ihn und die treffen einen Punkt im eigenen Autorinnenherz, die sagen: Nein. Er bleibt. Er ist wichtig.

Manchmal muss man das aushalten. Deine Testleser dürfen eine andere Meinung haben als du. Und dabei müssen die Entscheidungen ja auch nicht schwarz und weiß sein. Die Entscheidung ist nicht: Ben rauskürzen oder ihn genauso lassen, wie er war. Ben wird überarbeitet, keine Frage: seine Rolle angepasst. Aber er bleibt. Auch in seiner Problematik.

Und zwar, weil ich es sage. Weil ich die Autorin bin. Weil ich die Vision kenne. Die Geschichte. Ich weiß, wo sich Fokus lohnt, wo er hingehört. Das Feedback der anderer kann mir dabei helfen, den Fokus zu korrigieren, wenn mein Handwerkszeug noch nicht gereicht hat, um das gewünschte Ziel zu erreichen, aber es hat erst dann die Macht, den Fokus umzulenken, wenn ich ihm diese zuspreche.

Reden ist Silber, schweigen ist Gold – Das lehrreich Implizite


Besonders in diesem Durchgang habe ich erkannt, wie wichtig es auch ist, dass man in die Stille hört. In Kapitel Drei lasse ich Lae (einen Charakter, der die Überarbeitung nicht überlebt) mit Ben über Politik diskutieren. Ich hab das geliebt. Politik in Jugendbücher, ich bitte inständig darum und unablässig! Aber: niemand hat es erwähnt, niemandem ist es positiv (genug) aufgefallen, um es zu erwähnen, und dann sind das Gimmicks, die Seiten füllen, von denen ich eh immer zu viele habe.

Hat man sich bei einem Kniff etwas gedacht und niemand bemerkt es, dann lohnt es sich, den Kniff nochmal zu überdenken. Man glaubt, man schreibt eine Szene, in der Funken fliegen, und die Konzentration der Testleser liegt auf einem völlig anderen Zusammenhang? Dann bietet es sich an, die Aufmerksamkeitslenkung nochmal zu überprüfen.

Natürlich gilt auch da wieder: Du entscheidest, was dir dennoch wichtig ist oder was trotz allem so bleiben muss, wie es ist. Aber es zahlt sich allemal aus, auch den Dingen, die ungesagt bleiben, ein wenig unserer Aufmerksamkeit zu widmen.

Und die Moral von der Geschicht', auf Testleser ist kein Verzicht.


Testleserprozesse sind nervenaufreibend, aber sie sind auch eine endlose Bereicherung. Zu wissen, da hat jemand Zeit mit deinen Lieblingen verbracht, das macht was mit dir. Das fühlt sich ungemein danach an, als wär das, womit du den Großteil deiner Zeit verbringst, echt. Und das ist es. Natürlich ist es das. Aber nicht immer ist das im ggf. einsamen Schreiballtag so spürbar, wie man sich das wünscht.

Aber das Beste an allem: wenn's nicht geklappt hat, macht man's halt nochmal.

Dein Buchbaby hat noch gar nicht wirklich das Licht der Welt erblickt. Du hast das unverschämte Glück, das werdenden Eltern nicht zuteil wird: du hast einen Testlauf bekommen. Mit Rückgabegarantie und Möglichkeiten, wenn nicht: Einladungen zu Revision. Das kann und darf und soll man nutzen. Auch wenn ich niemandem wünsche, vier Drafts ein und desselben Stoffes zu schreiben, möchte ich auch niemandem davon abraten: wenn die Story es braucht und du es zu geben bereit bist, wieso nicht? Es ist deine Geschichte. Mindestens du solltest mit ihr zufrieden sein.

Nur: irgendwann muss man den Absprung schaffen. Und so unbestimmt dieser Zeitpunkt sein mag, er liegt doch weit vor dem Erreichen der Perfektion. Hank Green hat da ein wunderbares Plädoyer für die 80% statt der 100% gehalten, das ich euch sehr ans Herz legen mag.



Und mit diesem Schlusswort danke ich Alisha, Laura, Isabella, Laura, Mira und Marion und wünsche euch und ihnen noch einen tollen Sonntagabend und einen guten Start in die Woche.

Eure Kira

1 Kurztitel für „Der Unterschied zwischen Waffenstillstand und Frieden“